Dynamisches Lung-Prinzip

Lung ist die wichtigste und übergreifendste der drei Energien. Man bezeichnet sie als die beseelende Lebensenergie. Das Lung-Prinzip wird dem Element Luft zugeordnet und wird mit Wind übersetzt. Lung manifestiert sich im Körper als das bewegende PrinzipLung steht für alles, was sich bewegt. Es ist das dynamische Prinzip und die Steuerzentrale für alle körperlichen und geistigen Aktivitäten.  Der Lung-Typ funktioniert stark über die gasverarbeitenden Organe wie Lunge und Dickdarm.

Lung koordiniert Atmung, Pulsschlag und die peristaltischen Bewegungen des Darms, die Klarheit der Sinnesorgane, aber auch das Bewusste und das Unbewusste – und zwar mit Hilfe des vegetativen Nervensystems. Alle psychosomatischen Vorgänge, bei denen Gefühle und seelische Zustände bestimmte körperliche Beschwerden auslösen, haben starken Lung-Charakter.

Lung ist verbunden mit den Organen

  • Herz
  • Dickdarm
  • Lunge

Lung gilt von Natur aus als kühl, hat aber durch seine Beweglichkeit die Gabe, die anderen Energien im Positiven und Negativen zu verstärken. So wie Wind ein Feuer auflodern lässt, kann Lung die heisse Energie von Tripa zum Explodieren bringen oder die kalte Natur von Beken noch kälter machen. Die Lung-Energie ist bei vielen heissen und kalten Krankheiten mitbeteiligt. Im harmonischen Zustand sorgt sie für Geistesklarheit, im negativen für Irritation. Wie alle anderen Energien ist Lung zwar überall im Körper vorhanden, hat aber eine Art Stammsitz im Bereich unterhalb des Nabels. Gerät das Lung aus dem Gleichgewicht, äussern sich Beschwerden vor allem in:

  • den Ohren
  • der Haut (Allergien, Ekzeme)
  • den Knochen
  • den Gelenken (insbesondere im Hüftgelenk)
  • den Nerven
  • den geistigen Tätigkeiten
  • dem mittleren und unteren Bereich des Dünndarms
  • dem Dickdarm

Wo kommt Lung vor

  • in allen geistigen Funktionen
  • in den Sinnesorganen
  • im zentralen und vegetativen Nervensystem, der Atmung, Herztätigkeit, Peristaltik der Verdauungsorgane und dem Pulsieren des Bluts durch die Adern
  • im Bewegungsapparat
  • in der Vernetzungsstelle zwischen Psyche, Immunsystem, vegetativem Nervensystem und Hormonsystem

Lung wird verstärkt durch

  • Wind
  • Kälte
  • Viel gedankliche Arbeit
  • Zu viel Fernsehen, Smartphone oder Computerarbeit
  • Leichte und kühle Nahrung
  • Hunger, zu lange keine Nahrung zu sich nehmen

Die Tibeter sehen als geistige Ursache eines Anstiegs der Lung-Energie die Gier, die Neugier und die Begierde. Ein überhöhtes Lung kann sich auch zeigen durch starke Emotionen und emotionale Spannungszustände, nervliche Empfindsamkeit bis hin zur Ängstlichkeit, Schlaflosigkeit, Kälteempfinden bis ins Körperinnere und die Gelenke, überhöhte Schmerzempfindlichkeit, trockene Haut und eine schwache Verdauung.

Eine Lung-Störung beeinträchtigt den Körper am stärksten. Während Tripa und Beken einen materiellen Charakter haben, ist Lung geistig, nicht fassbar und gibt ständig Impulse. Lung ist die dominante Energie im Körper. Sie beeinflusst die beiden anderen Energien Tripa (Feuer) und Beken (Schleim), indem sie diese in Balance hält. Ein Ungleichgewicht der Energien geht öfter von Lung aus als von den beiden anderen Prinzipien. Ein Übermass ist dafür in der Regel leichter in Balance zu bringen. Bei zu viel an Lung gilt es, einen Ausgleich mit den entgegengesetzten Elementen Feuer und Erde zu schaffen, um den Wind zu wärmen und zu erden. Nahrungsmittel und Kräuter mit süssem, saurem und salzigem Geschmack oder wärmenden Eigenschaften helfen das Lung zu harmonisieren. Hingegen sind die Geschmacksrichtungen bitter, scharf und herb zu vermeiden.